Salzwedel

Am Samstag waren wir bei den Genoss*innen der Antifaschistischen Aktion Salzwedel. Diese riefen unter der Motto „Für eine antifaschistische Provinz – Nazistrukturen zerlegen!“ zu einer Demo auf.

Salzwedel

Bei Sören Kohlhuber auf flickr.com gibt es mehr Bilder zur Demo, die aufgrund des folgenden Ereignisses stattfand:

„In der Nacht zum 05.06.18 drang um kurz nach zwölf Uhr eine vermummte und bewaffnete Gruppe Neonazis von mindestens 10 Personen in das Autonome Zentrum Kim Hubert ein. Sie begaben sich gezielt in die zweite Etage, wo ein paar Menschen übernachteten. Die Nazis stürmten mit Schlagwerkzeugen bewaffnet in mehrere Zimmer, wo sie sofort anfingen, anwesende Personen mit Pfefferspray anzugreifen und gezielt Türen, Fenster und Möbel zu zerschlagen. An einigen Stellen wurden sogar Spuren gefunden, die auf die Benutzung einer Axt schließen lassen. Auf dem Rückweg aus dem Gebäude zerstörten sie systematisch noch weitere Fensterscheiben und Einrichtungsgegenstände. Ihre Flucht sicherten sie mit der Zündung einer Rauchbombe im Treppenhaus.“

Es ist nichts Neues, dass Nazis massive Gewalt anwenden um ihre politischen Ziele vermeintlich durchzusetzen. Die unzähligen Angriffe auf Geflüchtete und deren Unterkünfte, Andersdenkende, vermeintlich Schwache, usw. sind uns allen bekannt. Auch die lange Liste an Todesopfern rechter Gewalt (siehe hierzu u.a. Amadeu Antonie Stiftung) unterstreicht dieses Vorgehen und die Affinität. Die Rechtsrockband „Erschießungskommando“ veröffentlichte 2016 das Lied:“Katharina König“. In diesem Lied singen sie 3 Minuten darüber, wie sie Lothar König und Katharina König-Preuss (Mitglied im NSU Untersuchungsausschuss für Die Linke) umbringen und was sie mit ihrer Leiche machen. In Mecklenburg-Vorpommern griffen Nazis Proberäume der Band Feine Sahne Fischfilet an, oder eben Veranstaltungsorte von deren Konzerten. Vor wenigen Tagen erfuhren wir außerdem von einen Nazi-Angriff auf Alternative Jugendliche in Eisenach (Thüringen). Wir können selbst nicht mehr alle Angriffe auf Antifaschist*innen in Einbeck aufzählen.

Es zeigt mal wieder: Betroffen sind Einzelne, gemeint sind wir alle. Solidarisches Handeln von Antifagruppen aus Großstädten wie Leipzig, Hannover oder Göttingen ist zwingend notwendig. Aber auch wir selbst müssen uns vernetzen und uns über gemachte Erfahrungen austauschen.

Solidarität ist eine Waffe! Nutzen wir sie!

TddZ in Goslar

Am Samstag reisten wir nach Goslar um gegen den sogenannten „Tag der deutschen Zukunft“ zu demonstrieren.

Einst war der TddZ eine der größten Demos (und diente als Vernetzungstreffen) innerhalb der Nazi-Szene. Trotz einjähriger, bundesweiter Mobilisierung in Form einer Kampagne erschienen zur 10. Auflage gerade einmal 270 Nazis. Bereits 2017 waren die Organisatoren von der geringen Teilnehmerzahl (450) enttäuscht, jedoch schob man es in diesem Fall auf die ungünstige Lage Karlsruhes.

Dieses Jahr können sie einfach nur noch von einem Fiasko reden!

Und das obwohl die Polizei es ihnen versuchte, so gemütlich wie möglich zu machen. Man trennte die Stadt am Bahnhof und entlang der Gleise in Nord und Süd. Eine Jugenddemo der Falken im Norden wurde verboten.

Bei der Anreise wurden Busse, u.a. die der Genoss*Innen aus Göttingen, aufgehalten und jede*r wurde einzeln kontrolliert.

Dennoch waren am Ende um die 3000 Antifaschist*Innen in Goslar.

Antifaschistische Intervention gelang dennoch: Es gab Störungen im Schienenverkehr, sodass Teile der Nazis nicht oder nur sehr spät anreisen konnten.

Nach über zwei Stunden Verspätung zogen die Nazis auf ihre Route.

Wir nutzten eine spontan angemeldete Demo um wenigstens in der Innenstadt Goslars unseren Protest lautstark vorzutragen.

(Bildquelle Nico Kuhn)

Die Nazis hatten in der Zwischenzeit eine Sponti in Hildesheim angemeldet. Durch eine stabile Sitzblockade von Aktivist*Innen konnte diese jedoch verhindert werden.

Die Kampagne (und Ausrichtung des nächsten TddZ) wurde von den Nazis des ehemaligen Kollektiv Nordharz nach Chemnitz übergeben.

Sucksen scheint der letzte Notnagel des immer bedeutungsloser werdenden TddZ zu sein…

AfD-Veranstaltung in Einbeck

Am Dienstag, dem 22.5.2018, lud der AfD Kreisverband Northeim zu einer Veranstaltung in Vogelbeck (bei Einbeck) im Gasthaus Winkelvoss ein.
Anmelder war Dirk Küpper, Stadtrat der AfD in Einbeck, mit dem der Gastwirt gemeinsam zur Schule ging.

Also entschlossen wir uns, Protest vor die Gaststätte zu tragen. Wir liefen als Sponti zum Veranstaltungsort. Dort angekommen, positionierten wir uns direkt neben dem Eingang. Auch das Bündnis „Einbeck ist bunt“ war mit vielen Vertreter*Innen vor Ort, ebenso wie örtliche Politiker*Innen.

Die AfD-ler wurden durch die Anwesenheit des Gegenprotests sichtbar nervös. Viele telefonierten und waren froh, im Gebäude verschwinden zu können. „Stargast“ MdL Stephan Bothe, ließ sich gar nicht mehr vor der Tür blicken. Gerne hätten wir ihn persönlich befragt, was genau er unter „Befreiungskrieg“ versteht. Diesen Ausdruck verwendete er auf seiner Facebook-Seite zu einer Kranzniederlegung.

Einzig Kreisvorsitzender Mike Schmitz, sowie oben erwähnter Dirk Küpper, versuchten mit Provokationen zum Ausdruck zu bringen, dass sie der Protest nicht störe.
Eben jener Dirk Küpper, dessen berufliche Tätigkeit durch eine Insolvenz seines Küchenstudios ein Ende fand.

Nachdem die Polizei auftauchte und das Hausrecht durchsetzte, verließen wir den Veranstaltungsort.

Ein Fotograf des antifaschistischen Nachrichtenportals Niedersachsen hielt das Geschehen fest. Die Bilder findet Ihr entweder auf der verlinkten Facebook-Seite, oder aber direkt bei Flickr
Einem anwesenden Journalisten wurde verwehrt, die Veranstaltung zu besuchen. Die so oft von der AFD geforderte Pressefreiheit gillt halt nicht für jeden.

Keine AFD-Veranstaltung in Einbeck!

Die „Einbecker Beobachter“ – Ein neuer Versuch der lokalen Nazi-Szene

Leider mussten wir feststellen, dass sich parallel zu unseren Aktionen auch eine neue rechte Gruppierung aus Einbecker Nazis, sowie aus dem Umland stammenden Nazis gebildet hat. Sie selbst bezeichnen sich als „Junge Nationalisten“ und wurden schon durch mehrere Übergriffe auffällig.
Unter den Deckmantel von „besorgten Bürgern“, versuchen sie unter dem Namen „Einbecker Beobachter“ laut eigener Aussage, die „neue Antifagruppierung „161 Crew“ […] auszubremsen und in ihre Schranken zu weisen“. Was das bedeuten soll, mussten schon Antifaschisten aus Einbeck erleben. Am 12.04. lauerten drei vermummte Nazis einem Antifaschisten auf seinem Heimweg in Einbeck auf, drückten ihn gegen die Wand, verletzten ihn mit einem Messer mehrmals im Gesicht, verpassten ihm mehrere Faustschläge und ließen ihn wissen, dass es ihm noch schlimmer ergehen könne, unterlasse er nicht seine Aktivitäten.
Zwei Tage später, am 14.04.2018 verfolgten Maurice und Thorben Brosenne, Justin Warmbold und Jonas Armbrecht abends einen Genossen aus Einbeck mit dem Auto. Mit mehrmaligem Auffahren auf das Fahrzeug, sowie mehrmaliger Lichthupe versuchten sie die Person einzuschüchtern. Sie verfolgten ihn bis zu seinem Wohnort und fuhren erst, nachdem sie 30 Minuten vor seiner Haustür gewartet haben, letztendlich nach Hause. Zusätzlich sind Jonas Armbrecht und Justin Warmbold aufgefallen, als sie mit zwei weiteren Nazis einen Antifaschisten mit einem Auto verfolgten. Dabei versuchten sie mit lautem Rechtsrock aus ihrem Auto den Genossen einzuschüchtern. Nach einiger Zeit fuhren sie dann mit quietschenden Reifen und unter Heil Hitler-Rufen weg.
Ihre weitere Aufgabe sehen sie darin „in und um Einbeck das Vorgehen und die mutwillige Zerstörung fremden Eigentums zu beobachten und zu dokumentieren“. Bis jetzt sah dies jedoch auch anders aus: Sie fotografierten Antifaschisten auf Kundgebungen und veröffentlichten ein Autokennzeichen, sowie Bilder von ihnen im Internet.
Hinter der Gruppe stehen u.a. Maurice und Thorben Brosenne aus Einbeck. Schon mehrmals wurden die ehemaligen Göttinger Ziele antifaschistischer Interventionen. Maurice, wie auch sein Vater Dietrich, kandidierte in der Vergangenheit bereits für die NPD und die gesamte Familie spielt gerne in ihrer Freizeit Wehrmachtssoldaten. Außerdem bekannt ist Jannik Puchbauer, der am 23. September 2017 erstmals die Kundgebung der NPD in Northeim besuchte. Neu in Erscheinung getreten sind außerdem Justin Warmbold und Jonas Armbrecht. Beide wohnen in Naensen und sind erst seit kurzer Zeit aktiv. Momentan schätzen wir den Kern der Gruppe auf ca. 6 Faschist*innen, ihr Mobilisierungspotenzial jedoch auf ca. 10 – 15 Personen aus Einbeck und Umgebung ein. Überwiegend sind diese Personen bereits länger bekannt durch Aktivitäten im Zusammenhang mit der NPD.
Mit der Gründung der Gruppe findet sich ein neues Gewaltpotenzial in Einbeck wieder. Wir sind solidarisch mit allen Menschen, die Opfer von rechter Gewalt wurden. Auch in Northeim hörten wir von ähnlichen Vorfällen. Dies unterstreicht nur, dass antifaschistische Arbeit in Einbeck und dem Umland unverzichtbar ist.
Antifa in die Offensive!

Demo 1.Mai Chemnitz

Am 1.Mai fuhren wir nach Chemnitz um gegen die Nazis vom 3. Weg zu demonstrieren.

Der 3. Weg ist eine 2013 gegründete Kleinstpartei, in der überwiegend frustrierte NPD-ler sowie Mitglieder des wegen Bildung einer kriminellen Organisation verbotenen „Freien Netzes Süd“ Unterschlupf fanden. Mit Ihrem 10-Punkte-Wahlprogramm lehnen Sie sich ganz bewusst an die NSDAP an. Der 3. Weg gilt als besonders militant und im Gegensatz zu anderen Nazis als gut organisiert. Dennoch konnten Sie statt den erwarteten 1500 nur 500 Nazis mobilisieren.

Zusammen machten sich an dem Tag über 4000 AntifaschistInnen auf den Weg nach Chemnitz.
Gründe dafür sind klar: Angriffe auf AntifaschistInnen sind in Northeim und Einbeck keine Seltenheit mehr. Wer sich klar gegen Nazis positioniert, muss mit Angriffen rechnen. Ein Gefühl, das wahrscheinlich auch die GenossInnen aus Chemnitz kennen.
Wir schlossen uns also in ständiger Begleitung von 2000 Polizist*innen der Antifa-Demo an.
Dabei scheiterten mehrere Blockadeversuche. Dennoch gelang es im späteren Verlauf des Tages kleineren Gruppen Genoss*innen vereinzelt auf die Naziroute zu gelangen und Sitzblockaden durchzuführen.
Dabei kesselte die Polizei immer wieder Gruppen von Gegendemonstrant*innen und zogen scheinbar wahllos Personen aus den Gruppen heraus. Es gab eine zweistellige Anzahl von Festnahmen.
Besonders häufig hörte man den Vorwurf „Gefangenenbefreiung“. Hierbei benötigt Mensch dann viel Fantasie, da faktisch niemand gefangenes befreit wurde.
Wir deuten diesen Vorwurf ähnlich wie den des „Widerstands“, den man einfach mal aus dem Ärmel schüttelt um Antifas mit Repressionen zu überziehen.

Besonders provokant hing ein Anwohner direkt an der Demo-Route eine Reichskriegsflagge aus seinen Fenster. Dumm nur, dass er sein Auto direkt vor der Tür parkte. Als er sah, dass sein Auto mit Stickern beklebt wurde, warf er einen Stein aus dem Fenster auf die Antifaschist*innen. Daraufhin wurde das Auto Teil des kreativen Protests gegen die Faschos und die Band Frei.Wild.

Wir wünschen allen Betroffenen das Beste und werden uns davon nicht einschüchtern lassen und uns weiterhin entschlossen Nazis entgegenstellen!



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